[Coremoran-Blog] - Die Geschichte von „BLACK BEAST“
Was braucht eine Geschichte?
Was braucht eine Geschichte um eine Legende zu werden?
Was braucht eine Geschichte um nicht in Vergessenheit zu geraten?

Was braucht eine Geschichte, um Kinder und Erwachsene, die an einem lauen Sommerabend rund ums Lagerfeuer sitzen, bei Laune zu halten und ein gewisses Funkeln in ihre Augen zu zaubern?
Was es auch immer sein mag, die nun folgende Geschichte erzählt von einem gewöhnlichen Angeltag.
Einem FAST gewöhnlichen Angeltag der nur von einem Ereignis überschattet wurde, welches diesen Tag für mich zu einem außerordentlich „geschichtsträchtigen“ Tag machte.
1.6.2011
Lex und ich sehnten uns schon Wochen zuvor den ersten Juni herbei. 1. Juni, jawohl Raubfischzeit an unserer Schotterlacke. Das bedeutete, dass Monster Hechte, riesen Zander und uralte Welse einen epischen Kampf um unsere Köder führen würden. Wir sahen uns, mit krummen Stock am Uferrand stehen und die Spulen mit Eiswasser kühlen. 1. Juni Tag der Prädatoren!
Also packten Lex und ich unser Raubfischequipment ins Auto und fuhren frühmorgens (5:30 Uhr) an das Wasser. Wir wollten die Ersten sein, die einen Räuber an Land ziehen. Doch es kam anders. Als wir kurz vor sechs am Wasser ankamen, waren wir keineswegs die ersten Angler am Teich. Anscheinend konnte es keiner der Jahreskartenbesitzer erwarten, die ersten Räuber zu fangen. Der Parkplatz war fast voll. So etwas hatten wir noch nicht erlebt. Schnell holten wir die schon fertig montierten Spinnruten aus dem Kofferraum und begannen unsere Gummifische mit gezielten Würfen unter überhängende Büsche und Bäume zu schlenzen. Es dauerte nicht lange, da schnappte der erste Hecht nach meinen rot-braunen Köder. Leider verpasste ich den Anhieb und der Fisch ging verloren. Lex hatte da schon mehr Glück und konnte nach wenigen Würfen den ersten Esox 2011 für einen Landgang überreden.
Nachdem die erste Euphorie verblasste und Lex noch zwei weitere Hechte verhaften konnte, beschlossen wir uns einen Angelplatz zu suchen, um die Räuber mit totem Köderfisch an der Grundmontage zu verführen. Ich hatte bis jetzt noch keinen Fisch auf meinem Fangkonto verbuchen können. So legten wir zwei Ruten, mit Rotaugen bestückt, am Grund aus. Die anderen zwei Ruten wurden mit Boilies und Kartoffel Stückchen, am Haar ausgelegt. Zusätzlich noch eine kleine Ladung Grundfutter im PVA Strumpf dazu. Das Warten konnte beginnen. Wir hatten es förmlich im Urin, dass heute bei den Hechtdamen was gehen würde. Viel zu oft hatten wir in den letzten Tagen daraufhin gefiebert, viel zu oft hatten wir 80cm lange Hechte an der Uferkannte beim Jagen beobachtet.
Bei den Kollegen nebenan wurde dieser Traum bald Wirklichkeit. Denn wir konnten beobachten, wie zwei gute Zander gefangen wurden. Nur bei uns blieb der Pieper stumm. Die Stunden vergingen und mit ihnen verabschiedeten sich auch die anderen Angler vom Teich. Gegen 13 Uhr waren wir nahezu allein am Wasser. Hatten die anderen Angler ihre Sucht so schnell befriedigt?
Da die Bissanzeiger mich noch immer mit Schweigen straften, fing ich nach einer erneuten Kontrolle der Köder mit einem Jumbo Kreuzworträtsel an. Ich zerbrach mir gerade den Kopf über: „eine magische Wirkung“ mit vier Buchstaben die mit B beginnt. Als plötzlich der rechte Pieper die Antwort rausbrüllte: B I S S! Und was für einer. Wunderbares Geräusch - Musik in meinen Ohren. Das Knattern des Freilaufes! Jawohl! Schnell nahm ich Kontakt mit meinem Widersacher auf. Es war ein 6 Kilo schwerer Schuppi, der am Ende des Drill in ein Krautfeld flüchtete. Mit Geduld und Hilfe von Wingman Lex, konnten wir den goldgelben Kugelschlucker landen. Schnell wurde ein Fotoshooting gestartet und der Fisch wurde danach wieder in sein feuchtes Element entlassen. Zwar keiner der erhofften Raubfische, aber ein schöner, makelloser Jungkarpfen.
Nachdem der Teich ja mittlerweile fast menschenleer war, beschlossen wir den Spot zu wechseln, um auf der anderen Seite des Gewässers unser Glück zu versuchen. Da wir beim Ausloten feststellen konnten, dass der Gewässergrund eher steinig war, beschloss Lex eine Angel auf Zander auszulegen.
Ich beschloss erneut eine Rute mit Boilie und die andere mit Köderfisch in der Mitte des Gewässers zu platzieren. Gesagt getan. Nun konnte das Warten erneut beginnen. Ich konnte mich wieder meinem Jumbo Rätselblock widmen.
Doch schon kurze Zeit später merkte ich, dass das frühe Aufstehen seine Spuren hinterlassen hatte. Meine Augenlider wurden schwer wie Blei und kurze Zeit später war ich auch schon weggedöst. Lex erging es ähnlich, er hatte es sich auf der wieder trockenen Abhakmatte „bequem“ gemacht und gönnte sich ein Schläfchen. Um kurz nach vier wurden wir jedoch unsanft aus dem Schlaf gerissen. Die Spule der Zanderrute von Lex, spuckte meterweise Schnur aus. Ähnlich eines besoffenen Penners, der zu tief ins Tetrapack voll Tafelwein geblickt hatte, kotzte die Spule Schnurr von der Rolle. Ein kräftiger Anschlag und der Fisch hing am Haken fest. Es musste sich um ein größeres Exemplar handeln so viel stand fest. Der Drill konnte beginnen. Nach einigen Minuten und unzähligen Fluchten ins Freiwasser,wurde Lex langsam Angst und Bang. Was konnte dass für ein Monsterzander sein. Dass es sich hier um keinen Hecht handeln konnte, wurde uns langsam klar. Denn ein Esox mit solcher Kraft hätte die 35er Mono schon längst durchgesäbelt. Was war dann am anderen Ende der Leine. Weitere Minuten vergingen und der Fisch zeigte sich noch immer nicht an der Wasseroberfläche. Ich hatte genug Zeit meine Videokamera auszupacken und den spannenden Drill zu filmen.
Langsam wurden wir unruhig, war es ein Wels, oder hatte sich ein anderer Fisch an der Flosse gehakt und machte deshalb so einen Radau? Dann geschah das unfassbare. Ein dunkler Schatten erhob sich ca. 10 Meter vom Ufer entfernt aus der Tiefe. Schwarz, rund, böse und alles andere als ein Zander. Ich schrie Lex an, dass da ein Karpfen am anderen Ende der Leine baumelte. Lex teilte mir noch einmal mit, dass er ein 10cm langes Rotauge als Köder an dieser Rute montiert hatte. War es also doch nur Zufall? Hatte sich ein Karpfen beim Vorbeischwimmen irgendwie mit der Flosse selbst gehakt? Oder? Konnte es sein, dass Alex das ultimative Biest aus den Tiefen der Schotterlacke am Haken hatte. Als der Fisch erneut an die Oberfläche kam, sahen wir es schwarz auf weiß. Besser gesagt nur schwarz. Ein schwarzer Karpfen, einer der besseren Sorte hatte sich tatsächlich den Fisch einverleibt. Wir konnten es nicht fassen. Der Fisch zeigte sich schon bald immer öfter an der Oberfläche und Lex konnte die pechschwarze Bestie sicher landen. Beim Entfernen des Hakens hatten wir dann Gewissheit. Der Fisch hatte sich tatsächlich das Fischlein rein gesaugt. Wahnsinn! Wir konnten es nicht fassen und hüpften wie kleine Kinder um die Abhakmatte, auf der das schwarze Biest sich für seinen Fototermin hübsch machte. Zuerst wurde der Karpfen noch gewogen. Er brachte 12 Kilo auf die Waage. Für seine Größe hatte der „Räuber“ ganz schön was auf den Rippen. Für Lex war es der erste Fisch, welcher über der magischen 10 Kilo Grenze lag. An diesen Teich wahrscheinlich ein Ausnahmefisch, zumindest auf diesen Köder.
Als der Fisch wieder in sein Element entlassen wurde, verabschiedete er sich noch mit einem kräftigen Schwanzhieb so dass wir beide ordentlich durchnässt wurden. Dann verschwand „black beast“ wieder in die dunkle Tiefe. Ein Schrei der Begeisterung folgte. Es war vollbracht der erste Fisch über 10 Kilo war eingefahren! Und die Tatsache dass sich ein Karpfen den Köderfisch einverleibte machte Lex nochmal so froh.
Der restliche Tag verlief dann zwar ohne weitere Aufregung aber mit diesem Ergebnis war heute sowieso nichts mehr zu toppen.
Am Abend saßen Lex und ich vor dem Feuer des Grillers und brutzelten köstliche Steaks und gönnten uns ein Bierchen .Während das rohe Fleisch langsam garte, erzählten wir Lex ´s Bruder die Geschichte von „black beast“. Irgendwie kamen wir uns vor wie Indianer, die nach einer langen Pirsch in der Prärie, vor dem Lagerfeuer saßen und Geschichten über die gefährliche Jagd erzählten.
Vielleicht, ja vielleicht kann ich noch einmal das Funkeln in den Augen meiner Zuhörer aufblitzen sehen.