[Coremoran-Blog] - Thailand - Mae Kong Monsters
Ein Tag im Kampf mit den Monstern aus dem Paradise Lake in Chiang Mai.

Es ist wie es ist, die Tage sind länger, die Sonne hat genug Kraft auch unsere heimischen Gewässer mit genug Power zu bestrahlen (Ozonloch sei gedankt) das Karpfen und Co. sich aus ihren Winterverstecken heraus wagen um ihren Hunger zu stillen und dabei den einen oder anderen Köder der von uns am Haar präsentiert wird einzuschlürfen.
Doch meine Erlebnisse schildern ein Abenteuer das sich im Februar 2011 abspielte. Also in einer Jahreszeit in der unsereins normaler Weise seine anglerische Leidenschaft allerhöchstens beim Eisangeln oder im Keller beim sortieren der Kleinteile ausleben kann.
27.2.2011
Wir sind in Chiang Mai (Thailand), in Bor Sang Village am Paradise Lake.
Wir, das sind meine Freundin Christina und ich, Christoph. Im Rahmen unserer dreiwöchigen Thailand-Reise hat es uns in die Heimat des Maekong- Riesenwelses (Pangasianodon gigas) verschlagen und genau diesen Fisch möchten wir heute fangen.
Bevor ich unsere Erlebnisse genauer schildere, muss ich gestehen, dass der Paradise Lake, wie so mancher Angelpark in Thailand nicht unbedingt eine Herausforderung für einen modernen Angler darstellt, aber wenn man nur einen Tag Zeit hat und seine körperlichen Grenzen ausloten möchte kann ich den Paradise Lake nur wärmstens empfehlen. Mit körperlichen Grenzen meine ich Blasen an den Händen, Blutergüsse in der Leistengegend (… nicht dort!) und Laktat Explosionen in Oberarm und Schultergürtel.
Wir kommen nach einer ca. halbstündigen Taxifahrt am Paradise Lake an und am Eingang begrüßt uns der deutsche Tour-Guide, der uns zu unseren Angelplätzen führt.
Dort angekommen warten schon zwei thailändische Guides die uns herzlich begrüßen. Nach einer kurzen Instruktion bezüglich des Gerätes und der Montagen geht es dann gleich zur Sache. Zum Gerät wäre zu sagen dass am Paradise Lake wirklich nur Tackle von feinster Güte dem zahlenden Gast zu Verfügung gestellt wird. Stabile Penn, ausgezeichnete Baitrunner Rollen und kräftige Karpfen Ruten sowie die eine oder andere Wels Rute stehen zur Auswahl. Anmerkung: mit irgendeinem anderen Spielzeug braucht man so wieso nicht mal versuchen dort irgendein „Leiberl“ zu haben!
Als Köder wird eine Mischung aus Weißbrot und Kuchenstückchen gewählt, die mittels simpler Method Feeder Montage an den Angelplatz geworfen wird.
Nach dem nun endlich die ersten Montagen fertig sind, klatscht auch schon der erste Futterballen auf die Wasseroberfläche in die Mitte des Teiches. Die Angel wird am Uferrand abgelegt und der Freilauf der Rolle eingeschalten. Es dauert nicht lange, da höre ich auch schon die Symphonie der Rolle erklingen die ich schon so vermisst habe. Wobei es sich eher nach einem Soundcheck von Manowar im ausverkauften Wembley Stadion anhört. Die Rolle verliert, in der kurzen Zeit bis ich den Anschlag setzen kann, etliche Meter ihrer 4oer Mono.
Der erste Anhieb sitzt und ich werde gleich mal einen Schritt Richtung Uferkante gezogen. Hoppla was ist denn hier los. Es fühlt sich so an als stehe ein Thailändischer YOKUZUNA , der kurz davor steht den Titel: besten Seil-Zieher des Universums zu gewinnen, am anderen Ende der Schnur. An ein kontrolliertes Einholen der Schnur ist nicht mal zu denken. Eher das Gegenteil ist der Fall. Ich beobachte mit schweißnasser Stirn, dass Meter für Meter des schwarzen mono Seils in die braune Suppe des thailändischen Teiches versinkt. Es fühlt sich an, als hätte ich Poseidon höchst persönlich ein Unterlippenpiercing verpasst und dieser gar nicht auf Körperschmuck steht. Also heißt es Bremse langsam und behutsam einstellen und pumpen. Nach fünf Minuten spüre ich es zum ersten Mal, ein ziehender Schmerz im rechten Oberarm. Die letzten Wochen hat der rechte Ast höchstens Trinkgefäße, die maximal 0.5 Liter fassen, heben müssen. Die 35°C im Schatten machen mir weniger aus, als das Gefühl, dass ich, wenn es so weiter geht, nach diesem Fisch eine 5-tägige Regenerationspause benötige. Nach weiteren Minuten der körperlichen Selbstgeißelung zeigt sich das Ungetüm zum ersten Mal an der Wasseroberfläche. Es ist erstaunlich, denn der Fisch misst gerade mal 80 cm und hat wahrscheinlich 5 Kilo.
Schnell wird der Wels vom Haken gelöst und wieder in sein braunes, flüssiges Element zurück gesetzt.
Geschafft. Jetzt ist Christina am Zug. Nach den ersten Minuten verspürt auch sie die ersten Schmerzen in Armen und Schultern. Doch sie gibt ihr Bestes und pumpt was das Zeug hält. Jedoch muss sie das gebogene Zepter des Angelzauberes bald an mich abgeben, da es ihr einfach noch an der richtigen Technik fehlt und noch das ein oder andere Schmalzbrot gegessen werden muss. Nun liegt es an mir den Husaren Ritt zu vollenden. Gesagt getan. Na he!!! OK. so einfach ist es dann wieder auch nicht den kampfstarken Maekong Wels in den Kescher zu bugsieren. Aber es gelingt mir dann doch.
Da meine Arme die mechanischen Bewegungen einer Nähmaschine nachahmen ohne dass ich aktiv etwas tue, beschließe ich eine etwas längere Erholungspause einzulegen.
Die Stunde der neuen „Miss Mae Kong“ schlägt. Kaum nehme ich auf einer schattigen Bank Platz, kreischt die Rolle erneut. Diesmal stürmt Christina zur Angel. Nach einem kräftigen Anschlag sitzt der Haken bombenfest im Maul des Fisches und der Tanz beginnt erneut. Die 3.60 Meter lange Angel, biegt sich zum Halbkreis und die Mühle läuft. „ Jetzt nur nicht zu stark forcieren“ rufe ich meiner Gattin zu. Doch sie hat erstaunlich schnell gelernt und pumpt den Fisch höchst professionell in Richtung Ufer. Dort warten wir schon mit dem riesigen Kescher um das Monster zu landen. Die Minuten vergehen und noch zeigt sich nicht die geringste Ermüdung der beiden Kontrahenten. Nach ca. 20 Minuten kann Christina den nächsten thailändischen Riesenwels über den Kescherrand führen. Aber was ist das für ein Brocken! Der Fisch ist dermaßen groß, dass unsere Guide seine liebe Mühe hat das Tier überhaupt an Land zu bekommen. Vor Begeisterung verschlägt es mir fast die Sprache als der Fisch endlich für sein Fotoshooting in unseren Armen liegt. Wie ein 19 Kilo schweres Wasserschwein halten wir unser Glück in den Armen und warten auf das erlösende Klicken der Digicam. Die Freude bei Christina ist riesig und sie kann es nicht fassen dass sie ohne fremde Hilfe dieses Monster gefangen hat.
Natürlich bin auch ich stolz wie Oskar und wir umarmen uns als ob wir drei Jahre getrennt gewesen wären. Doch für Sentimentalitäten bleibt keine Zeit, denn die zweite Rolle singt bereits wieder das Lied vom Grosswels.
So, jetzt bin ich wieder am Zug und schon verschwindet Meter für Meter der Schnur ins Ungewisse. Es ist einfach unbeschreiblich welche Kraft die Fische haben. Ich habe schon so manchen kapitalen Fisch aus Süß bzw. Salzwasser gezogen, doch die Kraft dieser Fische kann ich mit nichts Erlebten vergleichen.
Ich drehe die Bremse bis zum Anschlag zu und versuche den Fisch irgendwie einzupumpen doch nichts passiert. Alle paar Sekunden geht der Fisch in die verankerte Bremse und ich muss meine Schuhsohlen immer fester in den schlammigen Boden stemmen. Dann auf einmal scheint der Fisch in meine Richtung zu schwimmen, denn ich kann einige Meter Schnur zurückerobern.
Doch zu früh gefreut. Kurz vor dem Ufer gibt er noch einmal Gas und das „worst case scenario“ tritt ein. Ping, ich falle fast auf meinen A…. Verdammt, Schnurbruch. Naja, kein Wunder bei den unmenschlichen Kräften, denen die Leine ausgesetzt ist. Nach dieser Misere heißt es erst mal neue Montage anknüpfen. Doch irgendwie bin ich über diese ungewollte Pause gar nicht so traurig. Nachdem der Haken und die Futterspirale wieder einsatzbereit sind, merke ich erst, dass es mittlerweile schon mittags ist. Ja, wie schnell die Zeit beim Angeln doch immer vergeht. Da wir sowieso schon etwas müde sind, beschließen Christina und ich, erst mal ein Mittagspäuschen einzulegen. Gesagt, getan und schon bringen zwei Thais das köstliche Reisgericht an unsere Angelplätze. Köstlich!
Nach einer ausgedehnten Siesta geht es dann aber wieder voll zur Sache, denn die Fische scheinen keine Mittagspause zu machen und dürften heute besonders hungrig sein. Keine fünf Minuten später sind die Köder wieder im Wasser und der nächste Kampf beginnt. Christina ist wieder an der Reihe und zeigt ihr neu erlerntes Können. Nach einiger Zeit landet erneut ein stattlicher Brocken im Netz und wird unser Urlaubs Fotoalbum bereichern. Die Zeit vergeht wie im Flug und als ich nach einem weiteren verloren Fisch auf meine Uhr sehe bemerke ich, dass es bereits 16 Uhr ist. Jetzt noch ein richtig großer Wels und unser Angelglück wäre perfekt. Und heute meint es Neptun wohl gut mit uns. Die Bremse der neu ausgelegten Falle kreischt erneut. Christina ist am Zug und der Anhieb sitzt. Nach gestopptenen 15 Minuten brachialen Drill, beginnt das Wasser am Ende des Teichs zu brodeln. „It´s a real big one“ höre ich unseren Guide sagen. Damit hat er wirklich recht, denn der Fisch scheint einer der besseren des heutigen Tages zu sein. In der Zwischenzeit hat sich ein Pärchen aus Malaysia zu uns gesellt und gibt Christina mentale Unterstützung. Und dann ist es geschafft, nach weiteren 10 Minuten schafft die neue Miss Mae Kong das unmögliche und zieht ein 22 Kilo schweres Monster über den Kescher. Die Freude ist riesengross als wir den Fisch gemeinsam in die Kamera halten.
Nachdem der Fisch wieder schwimmen darf packen wir unsere sieben Sachen und werden wieder in unser Hotels gebracht. Auf der Heimfahrt zittern unsere Knie noch immer.
Ob ich jemals wieder einen Fisch mit so viel Kraft fangen werde bleibt ungewiss aber das Schmerzen der Arme an den nächsten Tagen unseres Urlaubs werden Christina und ich wohl so schnell nicht vergessen.
In diesem Sinne „tight lines“
Christoph „Coremoran“ Ringhofer.